VERÖFFENTLICHUNG von PD Dr. Claus Zehetner
Eine aktuelle Studie unter Mitwirkung von Dr. Claus Zehetner vom Augenzentrum Kettenbrücke in Innsbruck, in Zusammenarbeit mit Kollegen der Medizinischen Universität Innsbruck, hat gezeigt, dass eine beidseitige Katarakt-Operation die neurologische Bremsreaktionszeit und den Anhalteweg bei älteren Autofahrern signifikant verbessert. Diese vielversprechenden Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Katarakt-Chirurgie für die Fahrsicherheit im Alter.
Die Studie und ihre Methodik
Die Untersuchung, deren Ergebnisse in „Acta Ophthalmologica“ veröffentlicht wurden , umfasste 64 Patienten mit bilateralem Katarakt, die vor und vier Wochen nach der Operation evaluiert wurden. Eine Kontrollgruppe von 43 gesunden Personen mit gültigem Führerschein nahm ebenfalls teil. Um die Bremsreaktionszeiten zu messen, wurde ein Fahrsimulator eingesetzt, bei dem die Teilnehmer auf einen visuellen Reiz reagieren mussten. Gemessen wurden dabei die gesamte Bremsreaktionszeit (BRT) sowie deren Komponenten: die neurologische Reaktionszeit (NRT), die Fußtransferzeit (FTT) und die Bremspedal-Betätigungszeit (BPTT). Zusätzlich wurden die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) und die Kontrastempfindlichkeit (CS) der Teilnehmer erfasst.
Signifikante Verbesserungen nach der Operation
Die Ergebnisse sind eindeutig: Alle gemessenen Zeiten, einschließlich BRT, NRT, FTT und BPTT, verbesserten sich nach der Katarakt-Operation signifikant. Konkret sank die durchschnittliche BRT von 815,7 ms auf 647,9 ms. Parallel dazu verbesserte sich der berechnete Anhalteweg bei 50 km/h von 22,3 Metern auf 19,9 Meter. Auch die Sehschärfe (BCVA) und die Kontrastempfindlichkeit (CS) der Patienten nahmen nach dem Eingriff deutlich zu.
Interessanterweise zeigte die Studie eine signifikante negative Korrelation zwischen der Kontrastempfindlichkeit und der neurologischen Reaktionszeit vor der Operation. Dies bedeutet, dass eine geringere Kontrastempfindlichkeit mit einer langsameren neurologischen Reaktionszeit einherging. Nach der Operation war diese Korrelation jedoch nicht mehr feststellbar. Die Kontrollgruppe zeigte vor der Operation signifikant bessere Bremszeiten als die Katarakt-Gruppe. Nach der Operation gab es jedoch keinen signifikanten Unterschied mehr zwischen der Katarakt-Gruppe und der Kontrollgruppe bezüglich der Bremsreaktionszeiten.
Praktische Auswirkungen für die Patientenversorgung
Die Studienergebnisse betonen die entscheidende Rolle der präoperativen Evaluierung der Kontrastempfindlichkeit als wichtigen Faktor bei der Entscheidung zur Katarakt-Operation bei älteren Autofahrern. „Unsere Forschung zeigt deutlich, dass eine Katarakt-Operation nicht nur die Sehqualität verbessert, sondern auch einen direkten positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit älterer Menschen hat“, erklärt Dr. Claus Zehetner. „Die verbesserte neurologische Bremsreaktionszeit und der verkürzte Anhalteweg können dazu beitragen, das Unfallrisiko zu senken und die Mobilität und Selbstständigkeit unserer Patienten länger zu erhalten.“
Die vollständige Publikation können sie hier einsehen: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/aos.14748