VERÖFFENTLICHUNG von Prof. Dr. Wolfgang Mayer

Eine innovative Studie, an der Prof. Dr. Wolfgang Mayer vom Augenzentrum Kettenbrücke in Innsbruck maßgeblich beteiligt war, zeigt das große Potenzial einer neuartigen, smartphone-basierten Augmented Reality (AR)-Anwendung zur Verbesserung der Ausbildung in der Katarakt-Chirurgie. Die Forschungsergebnisse, die kürzlich in „Current Eye Research“ veröffentlicht wurden, unterstreichen, wie diese kostengünstige Technologie die Qualität chirurgischer Eingriffe, insbesondere der Kapsulorhexis, objektiv verbessern kann.

 

Die Kapsulorhexis: Ein entscheidender Schritt der Katarakt-Operation

Die Katarakt-Operation, auch bekannt als Grauer Star Operation, ist ein häufig durchgeführter Eingriff, bei dem die getrübte natürliche Linse des Auges entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt wird. Ein zentraler und hochpräziser Schritt bei dieser Operation ist die sogenannte Kapsulorhexis. Dabei wird eine kreisförmige Öffnung in die vordere Linsenkapsel geschnitten. Diese Öffnung muss exakt zentriert und perfekt rund sein, um die Kunstlinse stabil zu positionieren und optimale Sehergebnisse zu erzielen. Eine präzise und zentrierte Kapsulorhexis ist entscheidend für den Langzeiterfolg des Eingriffs, die Stabilität der Kunstlinse und die Vermeidung von Komplikationen wie der posterioren Kapseltrübung oder einer Dezentrierung der Intraokularlinse (IOL). Eine dezentrierte Kapsulorhexis kann beispielsweise zu einer Dezentrierung oder Neigung der IOL führen , was insbesondere bei Multifokallinsen die Sehschärfe beeinträchtigen kann. Angesichts der steigenden Zahl von Katarakt-Operationen weltweit – bis 2050 werden jährlich schätzungsweise 100 Millionen Eingriffe erwartet – ist die effiziente Ausbildung junger Augenchirurgen von größter Bedeutung.

 

Das innovative AR-Trainingswerkzeug

Die Studie untersuchte die Benutzerfreundlichkeit und Wirksamkeit eines smartphone-basierten Augmented Reality Tools von Custom Surgical MicroREC für das Kapsulorhexis-Training. Im Gegensatz zur Virtuellen Realität (VR), die eine vollständig simulierte Umgebung schafft, überlagert AR digitale Informationen mit der realen Umgebung und ermöglicht so einen nahezu nahtlosen Transfer der erlernten Fähigkeiten in die klinische Praxis.

 

Studiendesign und Hauptergebnisse

In der prospektiven klinischen Studie, die an der Universitätsklinik der LMU München durchgeführt wurde, wurden 21 chirurgisch unerfahrene Assistenzärzte in drei Gruppen unterteilt:

 

  • AR-Gruppe: Training mit Unterstützung des Custom Surgical MicroREC Systems während ihrer Kapsulorhexis-Verfahren.
  • Experten-Gruppe: Unterstützung durch einen erfahrenen Katarakt-Chirurgen
  • Ohne-Support-Gruppe: Training ohne jegliche Unterstützung.

 

Die Qualität der Kapsulorhexis wurde anhand von Kreisförmigkeit, Zentrierung und Radius bewertet. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Die AR-Gruppe zeigte eine statistisch signifikant bessere Kreisförmigkeit der Kapsulorhexis als die Experten-Gruppe () und die Ohne-Support-Gruppe (). Die Dauer des Eingriffs nahm in allen drei Gruppen zwischen dem ersten und zehnten Versuch statistisch signifikant ab.

„Unsere Studie belegt eindrucksvoll, dass Augmented Reality ein wertvolles Hilfsmittel im Katarakt-Training sein kann“, so Prof. Dr. Wolfgang Mayer. „Das Custom Surgical MicroREC System hat einen positiven Einfluss auf die Qualität der Kapsulorhexis in einer Trainingsumgebung und bietet objektive Qualitätsmetriken, die eine präzise Bewertung des chirurgischen Verfahrens ermöglichen.“

 

Bedeutung für die Zukunft der Katarakt-Chirurgie

Da das getestete AR-System sowohl im Training als auch in realen OP-Einstellungen verwendet werden kann , stellt es ein nützliches Werkzeug für angehende und erfahrene Chirurgen dar. Insbesondere im Hinblick auf multifokale Intraokularlinsen (IOLs) und die hohen Anforderungen der Patienten an das postoperative Sehergebnis ist eine präzise Kapsulorhexis entscheidend. Obwohl robotergestützte Systeme entwickelt werden, bleibt die Notwendigkeit gut ausgebildeter menschlicher Chirurgen bestehen, die auch bei Komplikationen manuell eingreifen können. Dieses AR-System trägt dazu bei, die chirurgische Qualität kontinuierlich zu verbessern.

Das Augenzentrum Kettenbrücke ist bestrebt, stets die neuesten Technologien und Forschungsergebnisse in die Patientenversorgung und Ausbildung zu integrieren, um höchste Standards in der Augenheilkunde zu gewährleisten.

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